Die vier Jahrhunderte dauernde Periode vom Niedergang der Han-Dynastie bis zur Schaffung des Aristokratenreiches der Sui und Tang war eine der reichsten und komplexesten der chinesischen Geistesgeschichte, erstaunlich fruchtbar an Neuerungen. Es entstand eine Metaphysik, die ganz aus der Scholastik der Han-Zeit hervorgegangen war und vom Anfang des 4. Jahrhunderts an durch buddhistische Beiträge der Mahâyâna-Lehre, der Lehre von der universellen Leerheit, bereichert wurde. Eine Art von künstlerischem und literarischem Dilettantismus setzte sich durch, ein Streben nach ästhetischem Genu?um seiner selbst willen, das zur klassischen Tradition in krassem Widerspruch stand. Malerei und Dichtkunst erlebten eine noch nie dagewesene Blütezeit.
Während der Norden Chinas noch in einer kriegerischen und volkstümlichen Kultur verharrte, entwickelte sich im Yangzi- Raum ein aristokratisches und kulturell verfeinertes Reich mit literarischen und künstlerischen Zirkeln, zahlreichen Eremiten und ausgeprägter höfischer Kultur.
| Nordchina | Sichuan | Yangzi-Gebiet / Südchina |
| Die drei Reiche, Sanguo (220-265) | ||
| Wei in Luoyang (220-265) | Shu- Han in Chengdu (221-263) | Wu in Nanjing (222-280) |
| Westliche Jin in Luoyang (265-316) | ||
| Die Nördlichen und die Südlichen Dynastien (317-589) | ||
| Die Sechzehn Reiche der Fünf Barbaren, wuhu shiliu guo | Cheng- Han in Chengdu | Die Sechs Dynastien, liuchao, nach dem Wu- Reich (222-280) in Nanjing Östliche Jin (317-420) |
| Nördliche Wei (386-535) einigen Nordchina | Song | |
| Nordostchina | Nordwestchina | Qi |
| Östliche Wei in Ye (S- Hebei) | Westliche Wei in Chang'an | Liang |
| Nördliche Qi (550-577) | Nördliche Zhou in Chang'an | Chen |
| Sui (581-618) folgen auf die Bei Zhou in Chang'an und annektieren im Jahre 589 Chen in Südchina | ||
Seit der zweiten Hälfte des 2. Jh. war es zu einer Renaissance der geistigen
Strömungen aus der Zeit der Streitenden Reiche
gekommen. Legalismus, Nominalismus und Taoismus in der
metaphysischen Auslegung des Laozi wurden wieder populär. Im Laufe des 4. Jh.
wurden die Lehren des Buddhismus des "Großen Fahrzeugs", Mahâyâna, immer
beliebter. Sie schienen sehr gut in die Lehren der chinesischen Mysterienschulen
integrierbar zu sein und wurden von den Literaten der "reinen Gespräche", qingtan
,
gern aufgegriffen.Die Literaten der qingtan- Kreise schöpften ihre Denkanstöße
weitgehend aus den beiden großen taoistischen Werken, dem Laozi und dem Zhuangzi
und zeichneten sich durch antikonformistische Haltung aus. Sie praktizierten ein Leben in
Verachtung der Riten, des Sich- Gehen- lassens, der Gleichgültigkeit gegenüber der
Politik verbunden mit einem Hang zur Spontaneität und Naturliebe. Ihren Gipfel erreichten
diese ästhetischen Strömungen mit den "Sieben Weisen vom Bambushain", zhulin
qixian
, deren
berühmtester Vertreter der Dichter und Musiker Xi Kang (223-262) war.
Dieselbe Geisteshaltung lebte auch nach dem Exodus ins Yangzi- Tal z.B. bei dem
berühmten Kalligraphen
Wang Xizhi fort. Die Spekulationen der Anhänger der "reinen Gespräche" über
taoistische Themen sind losgelöst von den weitestgehend geheimen Strömungen des echten Taoismus zu betrachten, dessen höchstes Ziel die Suche nach
einer Methode zur Verlängerung des Lebens bis zur Unsterblichkeit war. Die Taoisten
führten vielerlei Experimente durch, die "nebenbei" zu einer Vielzahl von
Entdeckungen, so z.B. verschiedenen Verfahren zur Stahlhärtung, führten.
Der neue, in Nanjing im Jahr 317 von einem Fürsten der Familie Sima gegründete Staat
hatte anfänglich mit dem schwierigen Problem der Einwanderer zu kämpfen, die nach und
nach eine neue Unterschicht in Abhängigkeit von Großgrundbesitzern zu bilden begannen.
Nach anfänglichen Erfolgen (unter anderem die Annexion Sichuans im Jahre 347) wurde die
Regierung im Vergleich zu den Großgrundbesitzern immer schwächer. In der Region zwischen
Taihu- See und den nördlichen Küstengebieten von Zhejiang begann sich eine Atmosphäre
der latenten Unzufriedenheit breitzumachen. Als die Regierung, vereint mit den Heeren der
Großgrundbesitzer einen aufstand von sektiererischen Piraten, die unter dem Einflu?der
taoistischen Wudoumidao- Schule standen, beruhigt
hatte, sah sie sich diesen Heeren hilflos ausgeliefert.
Huan Xuan ri?die Macht in Nanjing an sich, wurde aber von Liu Yu vertrieben, der die Song- Dynastie begründete.
Schon in der Mitte des 5. Jh. entstand in Nordchina wieder ein zentralisierter Staat,
und die Epoche der Südlichen Dynastien im Yangzi- Tal war auf den Gebieten der Literatur,
der Kunst und der Philosophie eine der blühendsten der gesamten chinesischen Geschichte.
Die meisten Gebiete im Süden waren von Ureinwohnern bevölkert: von Stämmen der Thai, Tibeto- Burmanen, Miao- Yao und möglicherweise im Inneren auch von Mon- Khmer und an den Küsten von malaiisch- polynesischen Stämmen. Nur die Ebenen des Yangzi- Beckens, die Südküsten der Bucht von Hangzhou und die Ebene von Kanton wurden allmählich von Einwanderern chinesischer Sprache und Kultur besiedelt. Die einheimischen Stämme wurden allmählich assimiliert.
als Liu Yu in Nanjing an die Macht kam, schienen die Immigrationsprobleme des beginnenden 4. Jh. gelöst und die Einwanderer aus dem Norden in der übrigen Bevölkerung aufgegangen zu sein. Die Familie des Liu Yu konnte sich jedoch nicht gegen die Anfeindungen der Adelsfamilien durchsetzen und wurde bald von General Xiao Daocheng gestürzt.
Xiao Daocheng, der bei der Niederschlagung der Rebellion eines kaiserlichen Prinzen an die Macht gelangt war, stärkte die Zentralmacht auf Kosten der Aristokratie. Gleichzeitig begann der Großhandel im Yangzi- Tal und in Südchina zu florieren. Die Massenhinrichtungen von Adligen führten jedoch bald zu einem Aufstand durch einen Vetter des Kaisers, Xiao Yan, der schließlich die Liang- Dynastie gründete.
Der Aufschwung des Handels im Yangzi- Gebiet führte zum Ruin der Aristokratie, die
sich auf die wirtschaftliche Autarkie der Großgrundbesitzungen stützte. Kaiser Wu der
Liang (d.i. Xiao Yan) umgab sich mit einem Stab aus fähigen Beamten, die für Wohlstand
und Frieden im Reiche sorgten.
Die Struktur des Militärwesens hatte sich in der Song- Zeit wieder zurück zu einem
Mischheer aus Söldnern und staatlichen Soldaten entwickelt. Die Söldner wurden von
lokalen Beamten und großen Adelsfamilien in der Provinz rekrutiert, deren Streitkräfte
bald aus verwahrlosten Banditen bestanden. Ein General einer solchen Truppe, Hou Jing,
führte seine Truppen gegen Nanjing und schwächte so die Regierungstruppen, die leichte
Beute für die später angreifenden westlichen Wei wurden. Im Jahre 557 ri?Chen Baxian,
ein Heerführer, die Macht an sich und gründete die Chen- Dynastie.
Das Reich der Chen war durch die vorhergehenden Hinrichtungen des Adels und die Kriege zu geschwächt, um dem Angriff des ersten Kaisers der Sui im Jahre 589 zu widerstehen.
Seit dem Ende der ersten Han- Dynastie begannen die Nomaden im Norden seßhaft zu werden. Die Tendenz zur Zentralisierung und zum Ausbau des Staates blieb in Nordchina bestehen. Diese Tendenzen mischten sich mit imperialistischen Bestrebungen zur Erweiterung des Staatsgebietes und starken militärischen Anstrengungen zur Verteidigung gegen die "barbarischen" Steppenvölker.
Die Östlichen Jin hatten ein Gebiet in Nord- Shanxi den Tuoba
überlassen (Tabgac, einem der drei Stämme der Xianbei) und ihnen damit eine
wichtige strategische Position in Nordchina verliehen. Die Tuoba nahmen den alten Namen
Wei an und machten im Jahre 386 Datong im äußersten Norden von Shanxi zu ihrer
Hauptstadt. Die Nördlichen Wei unternahmen viele siegreiche Feldzüge, mit denen sie das
nördliche China einten. Innenpolitisch schlugen sie eine Mischung aus legalistischer
Politik mit Bevölkerungskontrolle und rauhen kriegerischen Sitten ein. Sie deportierten
Männer, die ihrem Alter nach fähig waren, den Acker zu bebauen, in neueroberte Gebiete
und kontrollierten somit die Landverteilung.
Die Kriege gegen den Süden und einfallende Nomadenstämme sowie die zunehmende
Seßhaftigkeit führten zu einer Umentwicklung des Wertesystems. Im Jahre 494 wurde die
Hauptstadt von Datong nach Luoyang verlegt, wo man sich mitten im Zentrum der großen
Ackerbauzone niederlie? Luoyang wurde bald zum Zentrum des ostasiatischen Buddhismus und die religiöse
Begeisterung, die die Oberschicht in jener Zeit erfaßte, mündete im Bau von unzähligen
Klöstern und buddhistischen Heiligtümern. Auch der Handel mit Zentralasien gelangte in
dieser zeit zu einer neuen Blüte.
Die kaiserliche Regentin Hu, deren extravagante Ausgaben zugunsten des Buddhismus Revolten
und Banditentum ausgelöst hatten, führten im Jahre 528 zu einer Revolution durch das
Militär. Die Regentin und ihr Sohn wurden im Gelben Flu?ertränkt und zweitausend
Hofleute ermordet. In den darauffolgenden Wirren wurde das Wei- Reich zwischen zwei
Heerführern aufgeteilt.
Das östliche Wei-Reich, das im Jahre 534 von Gao Huan (496-547) in Ye gegründet wurde, war traditionalistisch und chinesenfeindlich. Es wurde von Militärs nomadischer Herkunft beherrscht.
Das Reich der Westlichen Wei dagegen, dessen General Yuwen Tai (502-556) im Jahre 535 den ersten Herrscher in Chang'an (dem heutigen Xi'an) einsetzte, wurde von Überlebenden der sinisierten Aristokratie von Luoyang angeführt. Nach dem Tod von Yuwen Tai im Jahre 556 gründete sein ältester Sohn die neue Dynastie der Nördlichen Zhou.
Nach dem Tod von Yuwen Tai gründete sein ältester Sohn die Dynastie der Nördlichen Zhou. Im folgenden Jahr ri?ein Vetter von Gao Huan in Ye die Macht an sich und gründetet die neue Dynastie der Nördlichen Qi (557-577), die später wieder von den Zhou gestürzt wurde.
Nominalismus ist die Lehre von der
"Richtigstellung der Bezeichnungen", zhengming
, was auf die Festlegung des gesellschaftlichen Status und des
gesellschaftlichen Ranges bezogen war. Die Klassifizierung der Persönlichkeiten wurde vom
Beginn des 3. Jh. an zu einem der beliebtesten Diskussionsthemen der chinesischen
Intelligentsia in den freien und abstrakten Konversationen, die "reine
Gespräche", qingtan
, genannt wurden.
Wudoumidao
, die Schule der fünf Reisscheffel, war eine der größten taoistischen
Gruppierungen dieser Zeit, die ihren Ursprung in Sichuan hatten. Sie verwahrten die
Geheimnisse, die Ihnen von orakelnden Medien geweissagt worden waren und die
Überlieferungen über die Wiederverkörperungen der Heiligen.