Die
Ursprünge der traditionellen chinesischen Malerei gehen weit zurück bis in Chinas frühe
Geschichte. Werke, datiert aus der Zeit vor der Tang-Zeit (618-907 n. Chr.) waren
hauptsächlich Linienzeichnungen von Personen bei verschiedenen Tätigkeiten; sie gilt als
das (Goldene Zeitalter) der Darstellungen von Menschen. Mitte der Tang-Zeit begann die Landschafts- und
Blumenmalerei an Bedeutung zu gewinnen. Gemälde, die Berge, Wälder, Felder und Gärten
darstellen, besitzen die Fähigkeit, uns von den Ärgernissen der materialistischen Welt
in eine friedvolle, sorgenfreie Sphäre zu versetzen. Deschalb wurden Landschaftsgemälde
schon immer von Literaten und Beamten hochgeschätzt. Blumen, Gräser, Bäume, Steine,
Vögel und andere Tiere auf den lebendigen und kraftvollen Blumen- und Vogelgemälden sind
ebenfalls sehr beliebt. Infolgedessen stellen die Landschafts-, die Blumen- und
Vogelgemälde zusammen mit der früher zu datierenden Darstellung von Menschen die drei
Hauptkategorien der traditionellen chinesischen Malerei dar.
Die herrschende Oberschicht der Tang- und Song-Zeit (960-1270 n. Chr.) waren wichtige Förderer der chinesischen Malerei. Das schöpferische Ziel der künstlerischen Arbeiten dieser Zeit war ernst und hatte politischen und bildenden Charakter; im Stil waren sie hochentwickelt und überladen ausgeführt. Der Hof der Sung Dynastie errichtete eine systematisch aufgebaute Kunstakademie. Der Song- Kaiser Huizong, ein Liebhaber der schönen Künste und Malerei, und selbst ein vollendeter Künstler, gewährte den Malern dieser Akademie besondere Gunst und förderte die Ausbildung vielversprechender Talente. Die Malerakademie erreichte in dieser Zeit ihren Höhepunkt.
Aufgrund eines allmählichen sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Wandels begannen
mehr und mehr Literaten zu malen, und die Literatur nahm zunehmend Finflu?auf die
Malerei. Zur Zeit des berühmten Song-
Dichters Su Shi (1036-1101 n. Chr.), eher bekannt als Su Dongpo, war die Schule der
(Literaten-Malerei) entstanden. Zur Zeit der mongolischen
Yuan-Zeit (1271-1368 n. Chr.) gab es
keine offizielle Malerakademie mehr am kaiserlichen Hof, und somit verfiel der höfische
Stil der Malerei. Zu diesem Zeitpunkt wurde die (Literaten-Malerei) zur Hauptströmung und
die Literaten-Maler übernahmen die Führung in der chinesischen Malerei.
Typischerweise bevorzugten die Literaten nach ihrer eigenen Phantasie und ohne
Einschränkungen zu malen und unterstützten einen neuen, freien und eleganten Stil. Als
Motive wählten sie gerne Berge und Felsen, Wolken und Wasser, Blumen und Bäume und die
(vie Edlen) (Pflaumenblüte, Orchidee, Bambus und Chrysantheme). Denn Objekte aus der
Natur wie diese sind weniger fordernde Themen als die Darstellung des Menschen, und der
Maler kann sich mehr die Eigenschaften des Pinsels und der Tusche für den freien Ausdruck
zu eigen machen.
Ob die chinesische Malerei (realistisch) ist, stellt oft ein strittiges Thema dar. Einige mögen meinen, sie sei nicht realistisch, aber solch eine Antwort erfaßt nur einen Teil der Geschichte. Der Realismus in der chinesischen Malerei erreichte in der T'ang and Sung Dynastien seinen Höhepunkt. Doch die Art (Realismus), die in chinesischen Gemälden gesucht wird, ist nicht die objektive Wiedergabe des Äußeren, wie es mit dem Auge wahrgenommen wird, sondern eher der Ausdruck eines subjektiven Erkennens oder der Einsicht.
Zum
Beispiel gibt es keine Bemühung, Schatten zu zeigen, die durch ein besonderes Licht auf
eine bestimmten Stelle der Kleider der Menschen fallen, dargestellt auf dem Che K'an T'u
Gemälde aus der Song-Zeit, deshalb
vermittelt das Gemälde auch nicht den Eindruck des Dreidimensionalen. Nachdem der Maler
die Linien zu Papier gebracht hatte, verwendete er die Wasserfarbenmalerei, um den
Hell-Dunkel Effekt von Licht und Schatten zu erreichen, die die Kräfte (yin) und (yang)
darstellen, um somit sein Verständnis des unveränderlichen, grundsätzlichen Wesens
seines Themas auszudrücken. Eine viereckige Blumenbank, nach den Grundsätzen der
Perspektive gemalt, sollte theoretisch vorne länger und hinten kürzer erscheinen, um die
wahrnehmbare Verkleinerung von Objekten im Hintergrund wiederzugeben. Die hintere und
vordere Kante der Blumenbank haben jedoch die gleiche Länge, dieses Wissen der
physikalischen Gegebenheit ist in dem Bild des Malers Che Kantu einbezogen; die Blumenbank
wird als eine ebene Oberfläche mit gleich langen Seiten dargestellt.
In
einem anderen Werk, dem (mit Tuschenuancen dargestellten Unsterblichen) des Künstlers
Liang Kai aus der Song-Zeit, wollte der
Maler nicht nur irgendeinen Menschen von der Straße porträtieren, sondern einen aufs
Jenseits gerichteten Einsideler, und somit wäre es unangemessen, einen einfachen Menschen
als Modell zu nehmen. Die höchst ungewöhnlichen, sogar unheimlichen Umrisse dieses
Bildes mit den kräftigen, frei ausgeführten Pinselstrichen ergeben genau den richtigen
Hintergrund, um die Wesenszüge dieser außergewöhnlichen Person herauszuarbeiten. Dieses
Bild ist typisch für die als "Freihandpinselführung" bezeichnete Schule der
traditionellen chinesischen Malerei.
Wie
auch in der Kalligraphie, ist der
Hauptbestandteil der chinesischen Malerei die Linie. Aufgrund dieses gemeinsamen Merkmales
standen diese beiden Kunstformen von frühester Zeit an in einer engen wechselseitigen
Beziehung. Nachdem die Literaten-Malerei in der Yuan-Zeit bekannt geworden war, legten die
Literaten bewußt besonderen Wert auf die Verbindung zur chinesischen Kalligraphie und
förderten die Verschmelzung von Kalligraphie und Malerei. Der enge Bezug zwischen
Dichtkunst und darstellender Kunst entstand durch den starken Einflu?der Literatur auf
die Malerei. Gelehrte Staatsmänner und Literaten brachten Dichtung und Malerei zusammen,
was schließlich auch von der Kunstakademie angenommen wurde. Man wei? da?der Song- Kaiser Huizong die Maler in
Dichtkunst prüfte, um sie die verzauberte Welt der Gedichte darstellen zu lassen.
In der Song-Zeit begann eine kleine
Zahl von Künstlern damit, den Namen des Gebers und des
Empfängers des Gemäldes in eine
unauffällige Ecke des Werkes zu schreiben, oder ihren Namenssiegel dort anzubringen. Als
die (Literaten-Malerei) in der Yuan-Zeit
in Mode war, begannen die Schriftsteller den Bildern persönliche Notizen oder passende
Gedichtzeilen hinzuzufügen, um ihr Können in Dichtung und Kalligraphie zu zeigen. Dem
Geschriebenen wurde nun auf dem Bild ein auffälligerer Platz zugewiesen. Das Anbringen
eines Namenssiegels wurde eingeführt und bereicherte so den künstlerischen Wert
chinesischen Malerei.